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dreigeteiltes Foto mit Nahaufnahmen einer Sofa-Armlehne, eines Freischwinger-Stuhls mit Rattangeflecht und von Deckenleuchten aus Naturmaterial

Zwischen cozy und smart: Wohntrends, die bleiben

Wie wollen wir in Zukunft wohnen? Die Antwort liegt irgendwo zwischen tiefen Sofas, warmem Licht, ehrlichen Materialien und Möbeln, die sich dem Leben anpassen statt umgekehrt. Auffällig ist dabei eine neue Gelassenheit. Räume dürfen sinnlich sein, Geschichten erzählen und bewohnt aussehen. Wir sprechen mit Madeleine Berger aus dem Mosel Türen Design-Labor über die aktuell wichtigsten Einrichtungstrends, was hinter ihnen steckt und wie sie sich zu Hause umsetzen lassen.

Portrait der Designexpertin von Mosel Türen
Madeleine Berger aus dem Mosel Türen Design-Labor

Madeleine, du behältst für das Design-Labor aktuelle Entwicklungen in der Inneneinrichtung im Blick. Wenn du die Wohntrends, die sich heute abzeichnen, in einem Bild beschreiben müsstest: Wie sähe das aus?

Ich sehe einen Raum, der weich wirkt und trotzdem klar strukturiert ist. Ein Sofa, in das man sich fallen lassen möchte, dazu warmes, diffuses Licht. Materialien, die man gerne berührt, zum Beispiel Naturstein und Holz. Außerdem gibt es Details, die dem Raum Leben verleihen, vielleicht ein buntes Glasobjekt oder eine besondere Leuchte. Insgesamt sehe ich ein Zuhause, das nicht makellos sein will, sondern lebendig ist.

Was steckt hinter dieser Sehnsucht nach Lebendigkeit?

Unser Alltag ist für viele dichter und komplexer geworden. Das Zuhause soll das ausgleichen. Das bedeutet nicht, dass alles nur gemütlich sein muss. Es heißt eher, dass Räume emotional sein dürfen. Man möchte sich entspannen, sich aber auch inspiriert fühlen. Und man fragt stärker als früher, wie Dinge gemacht sind und wie lange sie bleiben können.

ein voluminöser, curryfarbener Ledersessel mit rundem Beistelltisch aus Marmor
Runde Silhouetten, voluminöse Polster, skulpturale Armlehnen: Beim Chunky Comfort dürfen Möbel auch mal überproportioniert sein.

Soft Shapes und Chunky Comfort: einladend ausladend

Ein Trend, den man vielfach sieht, sind sogenannte Soft Shapes, also weiche Formen. Was genau verändert sich bei Möbeln?

Wir bewegen uns aktuell weg von kantigen, strengen Linien hin zu runden Silhouetten. Sofas haben tiefere Sitzflächen, Polster sind voluminöser, Armlehnen wirken fast skulptural. Hier wird es zum Teil auch „chunky“, also ein bisschen überproportioniert und groß. Dazu kommen Stoffe wie Samt, Chenille oder Bouclé, also Oberflächen mit Wärme und Struktur.

Was machen diese Formen mit einem Raum?

Form wirkt unmittelbar auf das Körpergefühl. Abgerundete Möbel nehmen Spannung aus einem Raum. Man merkt das besonders dann, wenn man lange in sehr geradlinigen, harten Umgebungen war. Weiche Shapes fühlen sich wie ein Versprechen an: Hier darfst du ankommen. Interessant ist, dass diese Rundungen oft den Blick auf den ganzen Raum verändern.

Chunky Comfort sieht man ja meist in großen Räumen. Aber nicht jeder hat den Platz dafür. Kann man das auch in kleinen Räumen realisieren?

Ja, das geht, indem man bewusst auswählt. Nicht jedes Möbelstück muss groß sein. Oft reicht ein dominantes Polstermöbel und dazu dann eben kein großer Tisch, sondern ein ganz filigranes Beistelltischchen. So bleibt der Raum offen, aber trotzdem einladend.

Drei weiße Papierleuchten hängen an einer weißen Decke.
In Gruppen arrangiert, erzeugen Papierleuchten eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre.

Fuzzy Feelings: Licht mit Gefühl

Auch beim Licht sehen wir eine klare Richtung. Papierleuchten kommen zurück. Was fasziniert daran?

Papierleuchten sorgen vornehmlich für stimmungsvolles, nicht für funktionelles Licht. Es ist weich, diffus und beruhigt Räume. Man kann das als Gegenbewegung zum harten Bildschirmlicht auffassen. Außerdem wirken Papierleuchten leicht und organisch. Sie passen also perfekt zu den weichen Formen der Möbel.

Lassen sie sich denn auch integrieren, wenn man Chunky Comfort nicht so gern mag?

Ja, ich mag den Kontrast, der so entstehen kann. Papier wirkt warm und sanft. Wenn man es mit Stein, Keramik oder Holz verbindet, entsteht ein schöner Materialklang. Eine an sich klare, kühle Oberfläche kann bei warmem Licht fast samtig wirken. Das bemerkt man an Möbeln, aber auch an Türen. Wir beobachten hier den Trend hin zu matten Anmutungen.

ein Sessel aus Rattan mit Sitzpolster und und Decke aus Leinen, im Hintergrund ein Holzfußboden
Naturmaterialien wie Holz, Rattan und Leinen lassen sich gut untereinander kombinieren.

Einrichten für die Zukunft: Nachhaltigkeit als neuer Orientierungspunkt

Nachhaltigkeit ist längst nicht mehr Nebensache. Was bedeutet das für ein Interior Design, das nicht nur heute, sondern auch morgen überzeugen soll?

Es bedeutet, dass wir auch im privaten Raum das ganze Leben eines Produkts mitdenken. Zertifizierte Hölzer, Materialien mit hohem Wiederverwendungsanteil und kurze Lieferwege spielen dabei eine große Rolle. Gleichzeitig wird Langlebigkeit zum wichtigsten Kriterium. Dieses Denken überträgt sich auf den ganzen Raum. Man wählt lieber weniger, dafür besser. Und man entscheidet sich für Dinge, die nicht schnell aus der Mode kommen. Das gilt nicht nur für Möbel, sondern vor allem auch für die Grundausstattung, die man nicht ständig wechselt. Gerade für uns als Türenhersteller ist dieses veränderte Bewusstsein ein Thema, das im Fokus steht, nicht nur weil uns selbst daran gelegen ist, sondern weil auch die Verbraucher hier immer höhere Ansprüche stellen. Das ist auch gut so!

ein Esszimmer mit Naturstein-Wand und Möbeln aus Holz
Gegensätze schaffen stimmige Proportionen: Eine filigrane Leuchte ergänzt perfekt den schweren Tisch, die Natursteinmauer kommt neben glatten Holzoberflächen besonders gut zur Geltung.

Back to nature: Naturmaterialien als Ruhepol

Ganz nah bei diesem Thema liegt ja die Bewegung hin zu materialehrlichen, ursprünglichen Oberflächen. Welche siehst du auch mit Blick auf die nächsten Jahre vorne?

Naturstein ist sehr präsent. Travertin ist wegen seiner weichen, offenporigen Struktur beliebt. Matt geschliffener Marmor in cremigen oder hellgrauen Tönen taucht vielfach auf. Bei Holz bleiben Eiche und Nussbaum die Favoriten, eher geölt als hochglänzend. Keramik kommt in matten, handwerklichen Oberflächen. Bei Textilien stehen Rattan, Leinen und Jute hoch im Kurs. Insgesamt sehen wir Materialien, die altern dürfen und durch die Spuren des täglichen Gebrauchs schöner und lebendiger werden.

Naturstein und dunkle Hölzer gelten eher als schwer. Wie passen sie zu den weichen, leichten Formen und Farben, über die wir hier schon gesprochen haben?

Durch Licht und Proportion. Ein schwerer Esstisch braucht eine leichte Leuchte. Naturstein gewinnt, wenn er mit weichen Polstern oder hellen Textilien kombiniert wird. Besonders stimmig wirkt die Einrichtung, wenn die Materialwelt nicht abrupt endet. Wenn der Holzton aus dem Möbel sich in kleineren Flächen wiederfindet, etwa in einem Rahmen oder in einer Tür, entsteht ein ruhiger Gesamteindruck.

ein Regal aus mehreren Holz-Modulen
Modulare Möbelsysteme sorgen für Abwechslung und erhöhen dank durchdachter Zusatzfunktionen den Wohnkomfort.

Zukunftsvisionen: flexible Möbel, smarte Funktion

In der Büroeinrichtung sieht man ja schon länger eine Bewegung hin zu mehr Flexibilität. Das setzt sich zunehmend in privaten Räumen fort. Was heißt das konkret für alle, die heute ihr Zuhause einrichten?

Bei aller Wertschätzung langlebiger Lösungen wünschen sich die Menschen auch Abwechslung. Gleichzeitig sollen sich Möbel an das Leben anpassen, und das steht eben nie still. Wir sehen darum, dass Möbel beweglicher und modularer werden. Regalsysteme lassen sich stecken statt schrauben. Würfel oder Module ergeben je nach Bedarf Sideboard, Bank oder Raumteiler. Sofas bestehen aus Elementen, die man umstellen kann. Dazu kommt ein Fokus auf leichtes Handling, also geringeres Gewicht, Rollen, klappbare oder ausziehbare Funktionen.

Funktion ist ein Teil der Schönheit geworden.

Nahaufnahme von einem in eine Tischoberfläche integrierten Netzanschlusses

Multifunktion klingt ein bisschen nach Kompromiss.

Das war früher vielleicht so. Gute, multifunktionale Möbel sind heute ästhetisch genauso stark wie klassische Solitäre. Ein ausklappbarer Tisch an der Wand ist nicht mehr ein Notnagel, sondern ein gutes Design. Das Gleiche gilt für Stauraum-Sofas oder Raumtrenner mit Arbeitsplatz. Funktion ist ein Teil der Schönheit geworden.

Funktionalität heißt vielfach auch smart.

Smart ist dann gut, wenn es unaufdringlich bleibt. Beleuchtungssysteme, die per App Lichtstimmungen schaffen, sind dafür ein Beispiel. Oder Möbel mit integrierten Ladeflächen und sauberer Kabelführung. Das Ziel ist, weniger Technik sichtbar zu machen, aber mehr Komfort zu schaffen.

Verso Pinie Holzdesigntür an einer salbeigrünen Wand
Verso Pinie
CPL-Türblatt mit spürbarer Holzmaserung

Das große Ganze: aus Räumen ein Zuhause machen

Wir sprechen viel über Möbel, aber am Ende bist du ja vor allem auch Expertin für das Thema Türen. Ein bisschen hast du dazu auch schon gesagt, aber kannst du uns auch hier einen kleinen Ausblick geben?

Türen werden als Designobjekt wichtiger. Wenn Wohnen weicher, natürlicher und ruhiger wird, wünschen sich viele eine stimmige Verbindung zwischen den Bereichen. Das betrifft dann Böden, Farben, Licht, aber eben auch Türen. Harmonisch wirkt ein Zuhause dann, wenn man beim Wechsel von einem Raum in den nächsten keinen Bruch spürt, sondern eine Fortsetzung.

Hast du einen konkreten Tipp für dieses Gefühl von „aus einem Guss“?

Wiederkehrende Materialien sind der Schlüssel, und bei Türen zeigt sich das besonders deutlich. Eine Tür ist eine der größten zusammenhängenden Flächen im Raum, die man täglich sieht und anfasst. Wenn sie Material und Farbwelt aufnimmt, zum Beispiel einen Holzton aus dem Wohnbereich oder eine ruhige, matte Wandfarbe, wirkt der Übergang automatisch stimmiger. Mein Tipp ist deshalb, Türen nicht als Abschluss zu denken, sondern immer als verbindendes Element. Sie geben Ruhe, schaffen bei Bedarf Rückzug und tragen die Gestaltung von einem Raum in den nächsten.   


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